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Elmar Zeller: „Haller Modell“ gegen Jugendarbeitslosigkeit (1998)

elmar„Wann können wir uns treffen?“, haben wir ihn gefragt. „Wann Sie wollen, Freitag, Samstag, Sonntag, Tag oder Nacht; ich bin immer im Dienst“, hat er gesagt. Tatsächlich ist er immer im Dienst – obwohl er sagen könnte: Ich bin Leiter der Berufsberatung am Haller Arbeitsamt, mache meinen Job, aber das Problem der Jugendarbeitslosigkeit kann ich auch nicht lösen. Niemand würde es ihm übel nehmen – aber so redet kein Elmar Zeller.

Er gibt sich nicht zufrieden mit dem Phänomen, dass Jugendliche nach der Schule auf der Straße stehen: „Man muss auch Gescheiterte mögen.“ Deshalb setzt sich der Verwaltungsoberamtsrat seit 1992 mit aller Kraft dafür ein, Jugendliche in Lohn und Brot zu bringen.
Im Prinzip handelt er nach einer Binsenweisheit, die andere gerne lauthals beschwören: Die Starken können sich selber helfen, den Schwachen muss man helfen, damit sie auf eigene Beine kommen.

Als Elmar Zeller 1992 nach Hall kam, gab es keine Berufseinstiegshilfen für benachteiligte Schulabgänger. Die Zahl der Bewerber wuchs dramatisch, gleichzeitig ließ die Ausbildungsbereitschaft deutlich nach.
Zeller hatte den Trend erkannt, als es viele noch nicht glaubten. Er lief sich die Hacken ab, warb „manchmal fast erpresserisch“ für seine Ideen – mit Erfolg.
Dem heute 54-jährigen gelang es, Kommunen, Landratsämter, Bildungsträger, Verbände, Landesministerien und sogar die EU für ein Netzwerk zu begeistern, das nicht nur punktuelle, sondern flächendeckende Erfolge in der Ausbildungsfrage erzielen kann.
1993 startete die Hilfskette im Arbeitsamtsbezirk: Auf Initiative Zellers wird das „Kuratorium für benachteiligte Jugendliche“ gegründet. Fördergelder werden von Arbeitsamt, Landratsämtern, Wirtschaftsverbänden und beruflichen Schulen aufeinander abgestimmt.

Kurze Zeit später vereinbaren Landratsamt und Arbeitsamt einen landesweit einmaligen Vertrag zur ämterübergreifenden Förderung von hilfsbedürftigen Jugendlichen. Parallel dazu werden Jugendberufshelfer angestellt, die Jugendliche mit schwierigen sozialen Biographien in Betrieben und Schulen begleiten. 1994 entsteht in einer Kooperation das Berufsbildungszentrum am Haller Ripperg. Zunächst mit 500 Quadratmetern, heute hat es über 3000 Quadratmeter. Dies alles passiert, um die dramatisch wachsende Zahl von Schulabgängern in der „Warteschleife“ sinnvoll für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der Beweis: Seit 1996 gelingt es, alle BfW-Absolventen unterzubringen.

Das ist alles gut und wichtig. Aber letztlich hilft alles nichts, wenn nicht genügend echte Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Deshalb wird ein weiterer Kunstgriff nötig. Als erste Behörde im Land stellt das Arbeitsamt Hall Lehrstellenwerber ein. Sie gehen in 2500 Betriebe und werben allein 1997 satte 400 zusätzliche Lehrstellen. Parallel dazu beteiligen sich die lokalen Medien – ebenfalls eine landesweite Premiere – am systematischen Kampf um Lehrstellen.
Elmar Zeller und seine Mitstreiter haben es in sechs Jahren geschaft: Der Anteil unversorgter Bewerber im Arbeitsamtsbezirk ist praktisch gleich Null. Am 30. September 1998 gab es 76 offene Stellen und vier unversorgte Bewerber!

Heute ist das „Haller Modell“ nicht nur landesweit, sondern auch im Bund und sogar bei der EU ein Begriff. Am 25. November 1998 stellen Elmar Zeller und sein wichtiger Mitstreiter Heinz Marsch – er ist der Leiter der Beruflichen Schulen in Hall – ihr Erfolgsnetzwerk in Nürnberg bei der Bund-Länder-Kommission vor. Dort wär man neugierig zu lernen, wie man auf lokaler Ebene aus gemeinsamem Tatendrang Lehrstellen macht.